Auf Herz und Nierstück geprüft

Mit Peterli, Lamm, Dörraprikose und einer grossen Portion Kreativität sicherte sich Alexandra Knutti von der Stiftung für Betagte in Münsingen am Kochwettbewerb La Cuisine des Jeunes den Sieg.

Text: Delia Bachmann – Fotos: z. V. g. / La Cuisine des Jeunes

Das Siegergericht: «Dr Peterli fueteret sir Flamme e Aprikose».
Setzte sich am La Cuisine des Jeunes gegen die Konkurrenz durch: Alexandra Knutti

Aus Salz&Pfeffer 7/2017

Am 18. September fand im Bildungszentrum Interlaken das Finale des Kochwettbewerbs La Cuisine des Jeunes von Schweizer Fleisch statt. Die 15. Ausgabe des Events machte das Lamm zum Hauptdarsteller auf dem Teller. Aus jährlich 20 bis 25 Einsendungen wählt die vierköpfige Jury um Präsident Martin Thommen vom Landgasthof Bären in Utzensdorf jeweils anonymisiert die vier vielversprechendsten Rezepte aus. Besonders gute Chancen haben Gerichte, die nicht nur kreativ, sondern auch der Nose-to-Tail-Philosophie verpflichtet sind: «Nur mit Edelstücken schafft man es nicht ins Finale», bestätigt Thommen.

Geschafft hatten es Brian Dubach vom Congress Hotel Seepark in Thun, Sebastian Stalder, bei der Eingabe der Kreation im Hotel Restaurant Spedition, neu im Schweizerhof Bern tätig, Alexandra Knutti von der Stiftung für Betagte in Münsingen und als einziger Nicht-Berner Dominik Falk vom Kempinski Grand Hotel des Bains in St. Moritz. Was die vier Nachwuchstalente in zweieinhalb Stunden auf die Teller zauberten, war alles andere als alltäglich.

Das Publikum – Familie, Freunde, Kollegen und Presseleute – suchte sich derweil einen Platz vor dem Pass mit möglichst guter Sicht in die Küche. Für besonders viel Gesprächsstoff sorgte das Gericht Drei Lämmer im Bienenstock von Brian Dubach mit einem in Bienenwachs gegarten Lammnierstück, dessen Duft zuweilen alle anderen übertünchte und Kindheitserinnerungen ans Kerzenziehen wachrief. So originell wie die Idee war denn auch die Präsentation: Dubach umwickelte das Nierstück mit einem Wabenrelief aus Crêpeteig und Honig. Für den Sieg reichte es trotzdem nicht ganz.

Diesen holte sich Alexandra Knutti mit der Kreation «Dr Peterli fueteret sir Flamme e Aprikose». Mit gegartem Rücken, gezupfter Schulter und gewürfelter Zunge vom Lamm verkörperte diese nicht nur die Nose-to-Tail-, sondern mit Blättern und Wurzeln vom Peterli auch die Leaf-to-Root-Philosophie perfekt. Zwar wurde in der Jury intensiv diskutiert, am Ende fiel die Entscheidung aber einstimmig: «Die Garstufen waren perfekt, die Geschmäcker haben super harmoniert», lobte Thommen die Siegerin.

Knutti erhielt ein Preisgeld von 2000 Franken und eine Trophäe, zudem darf sie ihr Rezept in der Igeho-Kocharena noch einmal vor grösserem Publikum kochen. Die drei Zweitplatzierten erhielten je 600 Franken und ein Diplom. Die nächste La Cuisine des Jeunes wird in der Welle 7 in Bern stattfinden. Mitmachen können Köche und Köchinnen, deren Lehrabschlussprüfung nicht weiter als fünf Jahre zurückliegt.

Alexandra Knutti gewinnt den Kochwettbewerb La Cuisine des Jeunes in Interlaken

Fünf Fragen an Alexandra Knutti

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, am Wettbewerb mitzumachen?
Alexandra Knutti: Ich habe mich schon immer für Wettbewerbe interessiert, bisher aber nicht den Mut gefunden, mich anzumelden. Jetzt würde ich es nicht ausschliessen, wieder mitzumachen. Es hat Spass gemacht, und ich war weniger nervös als erwartet.

Was haben Sie sich bei Ihrem Gericht überlegt?
Die drei Grundgeschmäcker Lamm, Peterli und Aprikose standen relativ schnell fest. Ich habe auf regionale und saisonale Zutaten sowie auf wenige Komponenten gesetzt, die dafür mehrmals im Gericht vorkommen.

Wie haben Sie sich vorbereitet?
Ich habe im Betrieb vier Testläufe gemacht und wurde dabei auch super unterstützt. Yanick Mumenthaler, unser Gastronomieleiter und ehemaliges Mitglied der Junioren-Kochnati, zum Beispiel hat mich, um es modern zu sagen, gecoacht. Er war bei allen Testessen dabei, hat Kritik und Tipps zu Organisation und Ordnung gegeben.

Als Vorbild geben Sie keine Berufskollegin, sondern Foodbloggerin Nadja Damaso an. Warum sie?
Sie hat eine sympathische Leichtigkeit beim Kochen. Als Autodidaktin kocht sie nicht nach Lehrbuch, sondern kombiniert Geschmäcker, die vielleicht noch nie jemand zusammengebracht hat, völlig frei – und fein.

Gibt es ein konkretes Ziel, das Sie verfolgen?
Ich möchte so viele Erfahrungen wie möglich in unterschiedlichen Küchen sammeln sowie die Stile von verschiedenen Köchen kennenlernen, um schliesslich meinen eigenen Weg zu finden.